Die Wahrheit verkündigen,
den Glauben verteidigen

Predigten des H.H. Prof. Dr. Georg May

Glaubenswahrheit.org  
2. April 2018

Das Grab ist leer

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Das leere Grab macht den Leugnern der Auferstehung Jesu Kopfzerbrechen. Da sie ja nicht an die Auferstehung glauben, müssen sie annehmen, dass der Leichnam Jesu im Grabe verblieben ist, aber das Grab ist leer. Wie soll man das jetzt erklären? Die Auferstehung ist eine Einbildung, sagen sie, und doch ist der, der angeblich auferstanden ist, im Grab nicht zu finden. Die Ungläubigen legen sich zur Erklärung der Tatsache des leeren Grabes mehrere Vermutungen, Aufstellungen, Erfindungen zurecht. Das Grab sei gar nicht leer gewesen, das leere Grab sei eine Legende, die später erfunden worden ist, sie sollte den Auferstehungsglauben erklären. Für die Christen, aber nicht nur für die Christen, auch für ihre Feinde war das leere Grab eine selbstverständliche Tatsache, von allen zugegeben und von niemand bezweifelt. Schon die ursprüngliche Überlieferung hat die Botschaft vom leeren Grab gekannt und gebührend gewürdigt. Aber aus dem leeren Grab hat man nicht auf die Auferstehung geschlossen, sondern die Auferstehung wurde bewiesen durch die Erscheinungen. Die Apostel haben nicht argumentiert: weil das Grab leer ist, muss er auferstanden sein, sondern gerade umgekehrt: weil er auferstanden ist, ist das Grab leer. Der Unglaube versucht, den Apostel Paulus für seine These in Anspruch zu nehmen. Man verweist darauf, dass er in seiner Verkündigung der Auferstehung nicht ausdrücklich von dem leeren Grab spricht. Gewiss, Paulus erwähnt das leere Grab nicht ausdrücklich, aber er setzt es voraus, es war für ihn eine pure Selbstverständlichkeit. Paulus hebt hervor, dass der Leichnam Jesu bestattet wurde. Warum denn? Ja, weil der Bestattete am Sonntagmorgen nicht mehr aufzufinden war. Die Erwähnung der Bestattung ist ein Zeichen dafür, dass auch Paulus vom leeren Grab wusste. Wenn Paulus sagt: Jesus ist auferstanden, er ist auferweckt worden, dann kann er, falls Worte überhaupt noch einen Sinn haben sollen, nicht zugleich als im Grabe liegend und schlummernd gedacht werden. Petrus beweist dem Volke in seiner Pfingstrede, dass die Auferweckung des Messias von den Toten durch David (in den Psalmen) prophetisch vorhergesagt worden war. Nach Psalm 15 soll der Gesalbte des Herrn nicht die Verwesung schauen. Auf David passt diese Weissagung nicht, denn David ist in ein Grab gelegt worden und verwest. Man kennt sein Grab, man kann dahin gehen. Also schaute und verkündete er die Auferstehung des Christus: „Dieser ist es, dessen Fleisch nicht in Verwesung übergehen sollte, Jesus, den Gott auferweckt hat, wie wir alle bezeugen.“ So konnte Petrus doch nur sprechen, wenn er nicht bloß das Grab Christi leer wusste, sondern auch das ganze Volk dafür als Zeugen aufrufen konnte.

Alle vier Evangelien berichten, dass am Morgen des dritten Tages das Grab Jesu leer gefunden wurde, zunächst von den Frauen, dann auch von Petrus und Johannes, die ja diese Angaben an Ort und Stelle nachgeprüft haben. Aber nicht nur die Anhänger Jesu, sondern auch seine Gegner waren von der Tatsache des leeren Grabes überzeugt, hatten sich vermutlich durch Nachprüfung davon überzeugen lassen. Matthäus erzählt, wie die Feinde Jesu durch die Grabwächter von der Tatsache des leeren Grabes Kunde erhielten und sich bemühten, eine Pseudoerklärung dafür zu erfinden. Der feste Auferstehungsglaube und die konstante Auferstehungspredigt der Urgemeinde sind ohne die Tatsache des leeren Grabes undenkbar. Wenn die Auferstehungsgläubigen unterlassen hätten, die Berechtigung ihres Glaubens an dem Grabe nachzuprüfen, ihre Gegner hätten es sich gewiss nicht entgehen lassen, die ihnen so peinliche Auferstehungspredigt durch den einfachen Hinweis auf den Leichnam Jesu zu entkräften, im Keim zu ersticken. Aber der Hohe Rat und die gesamte Judenschaft Jerusalems haben keinen Einwand gegen die Tatsache des leeren Grabes erhoben. Sie haben die Tatsache akzeptiert. „Tatsachen sind hartnäckige Dinge“, sagt Lenin.

Der Unglaube behauptet weiter, der Leichnam Jesu sei ohne Wissen der Jünger irgendwie aus dem Grabe entfernt worden. Niemand anderer als der Hohe Rat habe den Leichnam Jesu beiseiteschaffen lassen. Diese Auskunft ist durchaus willkürlich, dabei innerlich ganz unwahrscheinlich, ja undenkbar. Eine derartige Maßnahme der jüdischen Obrigkeit war unsinnig, ja zweckwidrig. Sie hätte ja die Auferstehungspredigt der Apostel bestätigt. Der Unglaube deutet seine Vermutungen noch weiter aus. Er sagt, man habe den Leichnam Jesu aus dem Grabe entfernt, weil man einen späteren Leichenkult fürchtete. Meine lieben Freunde, ein solcher Leichenkult war im Judentum völlig unbekannt. Hier hat sich der Unglaube wieder an der Nase selbst herumgeführt. Der Unglaube verkennt gänzlich die Verfassung der jüdischen Obrigkeit am Ostersonntag. Der Hohe Rat war ratlos, ratlos gegenüber der bald einsetzenden Auferstehungspredigt der Apostel. Er hätte diese Predigt mit einem aufklärenden Wort verstummen lassen können, statt ihre Verkündiger mit Gewalt und Drohungen zu überziehen. Wenn wirklich die jüdische Obrigkeit den Leichnam Jesu aus dem Grabe entfernt hätte, dann ist zu fragen, warum sie ihn nicht vorgewiesen hat. Sie hätte ihn ja im Triumphzug durch Jerusalem tragen können: Hier ist er ja, und ihr behauptet, er sei auferstanden. Nein. Er ist nicht mehr hier, er ist auferstanden, so haben die Apostel gepredigt. Und bequemer und nachhaltiger hätte der Hohe Rat die christliche Auferstehungsbewegung nicht widerlegen und in ihren Anfängen ersticken lassen können, als wenn er den Leichnam Jesu ausgegraben und der Öffentlichkeit vorgezeigt hätte.

Der Unglaube behauptet weiter, Jesus sei überhaupt nicht ordentlich begraben worden, er sei von den Soldaten in eine Verbrechergrube geworfen worden und deshalb von den Jüngern nicht mehr aufgefunden worden. Diese Behauptung stellt sämtliche biblische Quellen, die einstimmig das Begräbnis Jesu bezeugen, als unglaubwürdig und lügenhaft hin, ohne auch nur den geringsten Beweis dafür antreten zu können. Man übersieht, dass Jesus nach römischem Recht verurteilt wurde. Das römische Recht kannte keine Verbrechergrube. Nach römischem Recht gehörte der Leichnam dem Richter, und der Richter hat ihn dem Joseph von Arimathäa geschenkt. Nehmen wir einmal an, der Leichnam Jesu wäre wirklich in eine Verbrechergrube geworfen worden; in diesem Falle hätte man ihn ja noch auffinden können, man hätte ihn herausholen können aus der Verbrechergrube, man hätte wenigstens darauf verweisen können. Warum ließ die jüdische Obrigkeit die Osterzeugen stattdessen lieber ins Gefängnis werfen und mit Ruten streichen? Die Verbrechergrube hat der Unglaube erfunden, nicht die Geschichte.

Der Unglaube behauptet weiter, der Leichnam Jesu sei durch Joseph von Arimathäa in einer der vielen leerstehenden Grabhöhlen geborgen worden, so sei es unmöglich gewesen, ihn nach einiger Zeit wieder zu finden und zu identifizieren. Andere Ungläubige wollen wissen, dass Joseph von Arimathäa ihn nach der Sabbatruhe still in seine Heimat überführt und ihn dort in seinem Familiengrab beigesetzt habe. Die Botschaft der Evangelien lautet anders. Joseph von Arimathäa setzte den ihm von Pilatus geschenkten, zugestandenen Leichnam in seinem eigenen Felsengrab, in das noch niemand gelegt worden war, bei. Es wurde von den Juden versiegelt und mit einer Wache versehen. Auch Paulus bezeugt durch den von ihm gebrauchten sprachlichen Ausdruck ein ordentliches, ehrenvolles Begräbnis. Joseph von Arimathäa; das ist eine genaue und bestimmte Angabe. Diese Angabe lässt darauf schließen, dass dieser Mann in der Jerusalemer Urgemeinde bekannt war und dass man sein Andenken in Ehren hielt; mit dem Namen konnte man nicht spielen. Er war nicht ein gänzlich unbekannter Volksgenosse, er war Mitglied des Hohen Rates, der obersten jüdischen Behörde, und zwar gehörte er zur zweiten Gruppe im Hohen Rat, zu den Ältesten. Sie stellten die Vertreter der Laienaristokratie in Jerusalem dar. Einem anderen hätte Pilatus wahrscheinlich den Leichnam auch nicht geschenkt. Joseph von Arimathäa war es auch nicht allein, der die Bestattung vornahm, Nikodemus, ein anderer Ratsherr, eilte ihn zu Hilfe. Wer war Joseph von Arimathäa? Er war ein geheimer Anhänger Jesu. Johannes nennt ihn einen Mann, der auf das Reich Gottes wartete und ein geheimer Jünger Jesu war. Lukas beschreibt ihn als einen guten und gerechten Mann, der dem Beschluss und Tun des Hohen Rates nicht zugestimmt hatte. Joseph war der Gewährsmann des Apostels Johannes. Er saß ja im Hohen Rat, und er trug Johannes zu, was sich im Hohen Rat vorbereitete. Von ihm stammt der Bericht über jene Sitzung des Hohen Rates, in der der Todesbeschluss gefasst wurde. Die junge Kirche konnte diesen Mann nicht vergessen, diesen Mann, der ihr in schwerer Zeit gute Dienste geleistet und der dem verstorbenen Meister den letzten Liebesdienst erwiesen hatte. Mit Joseph von Arimathäa konnte man nicht spielen.

Der Unglaube behauptet schließlich, die Jünger selbst seien für die Entfernung des Leichnams verantwortlich zu machen. Sie hätten den Leichnam gestohlen und auf diesem Diebstahl das Gerücht aufgebaut, er sei auferstanden. Damit übernimmt man die Propagandalüge der jüdischen Obrigkeit. Sie setzte ja die Behauptung in Umlauf, die eigenen Jünger hätten die Leiche gestohlen, wie es noch heute im jüdischen Talmud steht. Sie ließen die Wächter das unsinnige Gerücht verbreiten: Während wir schliefen, haben die Jünger den Leichnam gestohlen. Schlafende Wächter rufen sie an als Zeugen. O meine lieben Freunde, diese Maßnahme bekundet die verzweifelte Ratlosigkeit des Hohen Rates, die verzweifelte Ratlosigkeit gegenüber der nicht zu leugnenden Tatsache, dass das Grab leer ist. Damit gibt man die ganze Visionshypothese preis. Es ist psychologisch unmöglich, dass Betrüger derart von ihrem eigenen Betrug berauscht und fasziniert würden, dass sie die selbst geschaffene Illusion für Wahrheit nähmen und dafür in den Tod gingen. Solche Betrüger hat es in der ganzen Geschichte noch nicht gegeben. Wir kennen das Seelenleben dieser so genannten Betrüger. Wir wissen aus den Evangelien, wie schlicht, wie einfältig, wie lauter sie waren. Wir wissen aus der Apostelgeschichte und aus den Apostelbriefen, dass sie vom ersten Tag ihrer Botschaft an auf Widerspruch, auf Schmach, auf Strafe, auf Tod gefasst waren und dass sie dennoch immer wieder ihre Botschaft von Jesu Auferweckung in die Welt hineingerufen haben. Betrüger, die mit klarem Bewusstsein betrügen, dass ihr Betrug nicht den kleinsten Gewinn, sondern nur Armut, Schmach, Not und Tod einbringen werde, Betrüger, die fortan aufgrund ihres Betrugs ein Leben der Entsagung und der Hingabe führen, solche Betrüger hat die Weltgeschichte noch nicht gesehen. Rätsel über Rätsel, ja, ein Gewirr von Unmöglichkeiten, wenn es wirklich fremde Hände gewesen sein sollten, die ohne Wissen der Jünger Jesu Leiche beseitigten. Nein, die Konstatierung des leeren Grabes ist der sicherste Bestandteil des Auferstehungsglaubens. Alle natürlichen Erklärungen sind Spiele der Erfindungsgabe. Den einmütigen geschichtlichen Berichten gegenüber sind die genannten Behauptungen reine Willkür. Das Grab Jesu war Freund und Feind sehr wohl bekannt, aber es fand sich am Ostermorgen leer, trotz Siegel und Wächter. Weder Freund noch Feind haben die Tatsache des leeren Grabes bestritten. Es blieb dem Unglauben vorbehalten, sie zu bestreiten. Für das Leersein des Grabes gibt es nur eine, nur eine einzige plausible Erklärung: „Das Grab ist leer, der Held erwacht, der Heiland ist erstanden. Da sieht man seiner Gottheit Macht, sie macht den Tod zuschanden.“

Amen. Alleluja. 

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