Die Wahrheit verkündigen,
den Glauben verteidigen

Predigten des H.H. Prof. Dr. Georg May

Glaubenswahrheit.org  
Gericht
22. Dezember 2019

Die Vorzeichen der Wiederkunft Christi III

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Am vergangenen Sonntag haben wir begonnen, die Drangsale der Christenheit zu schildern, wie sie nach der Heiligen Schrift vor der Wiederkunft Christi losbrechen werden. Heute wollen wir diese Überlegungen zu Ende führen. Was Paulus den Widersacher nennt, heißt Johannes den Antichristen, den Gegenchristen, den Widerchristus. Bei Paulus fehlt dieses Wort, aber der von ihm genannte Widersacher spielt die gleiche Rolle wie der Widerchristus bei Johannes. Der Widerchristus greift das Christentum in seinem Zentrum an. Er leugnet, dass Jesus der Christus, der Messias, der Retter ist. Johannes schreibt wörtlich in seinem 1. Briefe: „Wer anders ist der Lügner als der, welcher leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Wer den Sohn leugnet, leugnet auch den Vater.“ Johannes schildert ihn als den Weltverführer, der den Menschen das Heil von dieser Welt, von ihrer Herrlichkeit, von ihren Reichtümern verspricht. Er sieht ihn schon am Werke. Seine Wirksamkeit ist ein Zeichen, dass die letzten Zeiten herangekommen sind. Ja, nach Johannes sind schon mehrere Widerchristusse erschienen. Die Welt ist durchsetzt von der Botschaft und von den Verführungskünsten der Gegenspieler Christi. Nach der Schilderung des Johannes vom Widerchristus darf man annehmen, dass er zunächst nicht an eine personhafte Erscheinung denkt, sondern an ein widerchristliches Klima, an einen widerchristlichen Geist, an eine widerchristliche Atmosphäre. Ich könnte mir denken, dass er auch an die globale sexuelle Revolution unserer Tage gedacht hat. Fundamentale Normen, die vor wenigen Jahrzehnten noch allgemein angenommen waren, werden verworfen. Was damals für schlecht galt, wird heute als gut ausgegeben. Johannes hat die widerchristliche Geisteshaltung jener im Auge, welche die Sünde gegen den Heiligen Geist begehen, also die Christus und sein Gesetz bewusst und grundsätzlich ablehnen. Die in dieser Geisteshaltung wirksame Sünde gelangt in dem Widerchristus zu ihrer vollen Entfaltung.

Was Paulus im 1. Thessalonicherbrief vom Widersacher sagt und was Johannes in seinem Brief vom Widerchristus, vom Antichristus sagt, das erscheint in seiner letzten furchtbaren Gestalt in der Johannesapokalypse. Im Bild von den zwei Tieren schaut Johannes den Widerchristus und seinen Propheten, seine Theologen. Das erste Tier, das Johannes aus dem Meere, dem Abgrund aller Schrecken, aufsteigen sieht, ist Symbol eines Herrschers der Endzeit. Er führt mit einer bis dahin nie dagewesenen Macht und Brutalität, mit dem äußersten Aufgebot militärischer und politischer Gewalt und geistiger Kultur oder vielmehr Unkultur, Scheinkultur den Kampf gegen die Christusgläubigen. Er wird zum Begründer eines alle Völker umspannenden Reiches, der Herr der Welt. Und jede Äußerung der Gottesverherrlichung ist in diesem Bereich unterbunden. Die göttliche Verehrung des Herrschers selbst wird mit allen Mitteln der Lüge und der Gewalt erzwungen. Wenn der Widerchristus in der Gestalt eines Tieres gesehen wird, so ist damit zugleich seine übermenschliche Kraft und sein untermenschlicher Charakter ausgedrückt. Was den untermenschlichen Charakter betrifft, so gilt, dass der Mensch aufhört, menschenwürdig zu leben, wenn er sich von Gott freimacht. Es ist eine alte Wahrheit, dass die Humanität ohne Gott zur Bestialität wird. Das Übermenschliche wird vor dem Auge des Sehers nach und nach sichtbar. Langsam und furchterregend taucht das Tier aus den Fluten empor. Es trägt Symbole der Macht und des Wissens. Unheimlich und schreckerregend ist alles an diesem Tier ins Maßlose und Formlose gesteigert. Die zehn Hörner sind Zeichen der unwiderstehlichen Kraft und Angriffslust, der Herrschsucht und des Machthungers dieses Tieres. Es ist bezeichnend, dass Johannes nicht eine Tiergestalt schildert, die wir aus der Erfahrung kennen, sondern das Tier, dass er sieht, ist seltsam und geheimnisvoll. Es trägt von mehreren Raubtieren Züge an sich: die Wildheit und Verschlagenheit des Leoparden, die gefräßige Mächtigkeit des Bären, die Raubgier des Löwen; alle sind in diesem Tier verkörpert. Die freche Empörung gegen alles Heilige gibt sich schon in seiner Erscheinung kund. Auf seinen Kronen trägt es Inschriften, und diese Inschriften sind von Größenwahn zeugende Zerrbilder des Stirnbandes des Hohenpriesters und des göttlichen LOGOS. In den Lästernamen drückt sich das gottlose Wesen des Tieres aus. Es beansprucht Eigenschaften und Titel, die nur dem Allherrscher, Gott, zukommen. Das Tier empört sich gegen Gott, nicht um den religiösen Glauben abzuschaffen, sondern es kennt das unausrottbare menschliche Bedürfnis nach Gott und lenkt diesen Glauben auf sich. Es will den religiösen Glauben nicht zerstören, sondern auf sich selbst ziehen. Es ist ein Usurpator. Es will sich selbst mit dem Nimbus des Göttlichen umkleiden.

Dieses Tier ist der Delegierte Satans. Der Drache hat ihm seine volle Gewalt übertragen. Es ist das Tier Satans Statthalter auf Erden, und daher kommt seine Macht. In der Vision vom Tier wird der Kampf des Drachen gegen die Christusgläubigen geschildert. Der Drache hat seine volle Gewalt der Bestie aus dem Meere, also dem Widerchristus, übertragen. Dieser setzt seine ganze Macht und Begabung gegen Christus und die Christusgläubigen ein. Nichts ist ihm heilig. Furchtbar hallen seine Schmähreden gegen den Himmel und die Himmlischen empor. Das Tier wendet sich gegen alle, deren Namen in den himmlischen Bürgerlisten stehen, die also nicht bloß Weltgläubige und Erdgläubige sind. Wer sich durch Beschimpfung und Verhöhnung nicht von Christus abbringen lässt, wird vom Tiere mit Krieg überzogen. Und das Unbegreifliche geschieht: Der widergöttliche Herrscher siegt über die Gemeinde Gottes. Auf die Menschen wirkt die Machtentfaltung, der Erfolg und die Kulturleistung des Tieres wie ein Zauber. Sie fallen nieder und beten es an. Das Tier beansprucht denn auch göttliche Ehre. Er fordert für sich, was Gott und Christus gehört. Der Antichrist gibt sich als Gott und Erlöser aus. Er ahmt Christus in allem nach. So wie Christus eine Todeswunde trug und geheilt wurde, so gibt er sich selbst als einen Erlöser aus, der für die anderen gestorben ist und auferweckt wurde. Das Tier trägt die Todeswunde und hat dennoch Leben. Es erweckt den Anschein, dass es sich für das Heil der Menschen bis zum Ende, bis zur Drangabe des Lebens geopfert und den Tod überwunden hat. Was soll ihm noch versagt bleiben? Nun kann der Widerchristus, das radikale Gegenstück zu Christus, alles für sich beanspruchen. Die Bewohner der Erde brechen nach der Apokalypse in himmlische Lobgesänge auf das Tier aus. Schauerlich klingt in den Ohren des Sehers die dämonische Umkehrung des großen biblischen Lobgesangs, mit dem einst das Volk den Herrn der Geschichte gepriesen hat. „Wer ist dem Tiere gleich, und wer kann mit ihm streiten?“ Der Widerchrist ist der allverehrte Herr der Welt. Durch ihn ist Satan der Herr der Welt. Die dem Widerchristus entgegengebrachte Anbetung, ist die Anbetung Satans. Der Teufel ist zwar immer am Werke, aber wenn es zum Ende der Geschichte kommt, dann wird ihm die ganze Welt zu Füßen liegen.

Vorspiel und Sinnbild dieser weltweiten Herrschaft ist die Ermordung der „zwei Zeugen“. Gott hat noch einmal versucht, die Menschheit zu bekehren durch zwei Zeugen, die er in die Welt gesandt hat – vergebens. Sie werden erschlagen; es findet keine Bekehrung statt. Der Triumph der Satansmächte scheint vollkommen und endgültig zu sein. Das Gottesvolk ist in die Wüste geflohen. Das Heiligtum ist ringsum belagert von den Ungläubigen. Indes, der Abfall ist nicht vollständig. Es bleibt eine kleine Gemeinde von denen, die den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten. Sie wird aufbewahrt für den Sieg des Lammes. Die Öffentlichkeit ist zwar beherrscht von der Anbetung des Antichristen; die Anbetung des wahren Gottes ist aus der Öffentlichkeit verschwunden, aber sie wird trotzdem noch weitergeführt von dem kleinen heiligen Rest.

Zu der Gewalttätigkeit des ersten Tieres kommt die Werbetätigkeit des zweiten. Das erste Tier stellt den Antichristen, also den antichristlichen, endzeitlichen Herrscher dar, die dämonische Verkörperung, den Träger der gottfeindlichen Staatsgewalt, den teuflischsten aller Verfolger des Gottesreiches. Aber zu ihm gesellt sich jetzt das Tier aus der Erde, eine Prophetengestalt, ein Theologe, eine Persönlichkeit, die der Inbegriff, der dämonische Repräsentant einer nicht mehr an einen persönlichen Gott gebundenen, sondern ausschließlich dem Antichristen dienenden Staatsreligion ist. Jesus hatte vor einer Vielfalt falscher Christusse und falscher Propheten gewarnt. Wie im Antichristen die Attribute der verschiedenen vorausgegangenen trügerischen Erlösergestalten und Feindmächte sich vereinigen, so in dem Tier aus der Erde die Kennzeichen der falschen Propheten. Welche sind es? Das Tier sieht aus wie ein Lamm, aber wenn es den Mund öffnet, merkt man, dass es kein Lamm, sondern ein Drache ist. Es ist gekennzeichnet durch den Widerspruch zwischen Sein und Schein. Sein innerstes Wesen ist Unwahrhaftigkeit wie alle falschen Propheten. Es ist eng verwandt mit dem Vater der Lüge. Die ihm aufgetragene Propaganda gegen Christus und die Christusjünger und für den Pseudochristus unternimmt es in der Weise, dass es die christlichen Worte und Symbole bestehen lässt, aber sie mit einem falschen Inhalt füllt. Die ihm aufgetragenen Propaganda gegen Christus und die Christusjünger geschieht so, indem er, immer weiter von Gott und von der Erlösung redend, in diese der Welt vertrauten Worte, einen satanischen Gehalt eingießt. So merkt die große Masse der Menschen gar nicht den Wandel, der vor sich gegangen ist. Die Verführung durch die Lüge geschieht daher umso besser.

Ja, der Propagandist, der Theologe wirkt Blendwunder. Die wundersüchtigen und sensationshungrigen Menschen kommen auf ihre Rechnung. Er tut den Wunderglauben nicht spöttisch als Aberglauben ab, sondern er missbraucht ihn für sich. Er lässt Feuer vom Himmel fallen. Der hohe Grad seiner Naturerkenntnis und seiner technischen Fertigkeit mag ihm dabei zu Hilfe kommen; so legitimiert er seine Botschaft. Wer kann noch zweifeln, wenn sogar das himmlische Feuer, der Blitz, seinem Worte gehorcht? Die Christenheit, für die kein Blitz vom Himmel fällt, die vielmehr wehrlos leidet und hilflos stirbt, scheint widerlegt zu sein. Die Propaganda ist erfolgreich. Der Propagandist lässt sogar ein Kultbild aufstellen. Es soll ein Wahrzeichen der Macht und der immerwährenden Gegenwart des widerchristlichen Herrschers sein. Wer die Anbetung verweigert, wird vernichtet, hat kein Recht mehr, in der Gemeinschaft der Tieranbeter zu leben. Er wird entweder wirtschaftlich boykottiert oder getötet. Niemand kann kaufen oder verkaufen, der nicht das Zeichen des Tieres, den Namen des Tieres oder die Zahl des Tieres an sich trägt. Die Heiden können höhnisch fragen: Wo bleibt denn euer Gott? Und wenn die Christusgläubigen die Antwort geben: Unser Gott, der ist im Himmel, so können die Heiden sagen, dass dieser Gott auf ihrer Seite zu stehen scheint, denn ihnen schenkt er den Erfolg. Die Anbeter des Widerchristus bekennen sich durch ein äußeres Zeichen zu ihrem Falschgott. Wer das Zeichen nicht trägt, enthüllt sich damit als ein Feind des öffentlichen Kultes. Die Möglichkeit zur Neutralität ist aufgehoben. Wenn jemand das Zeichen an der Stirn oder an der rechten Hand nicht hat, ist er als solcher verraten, der sich außerhalb der totalitären Staatsreligion und der antichristlichen, totalitären Gesellschaft stellt.

Was die Johannesapokalypse an Schrecknissen schildert, fehlt in der Geschichte des Christentums nie völlig. Wenn sie aber ihrem Ende entgegengeht, erreichen die Schrecken für die Christusgläubigen eine alles bisherige übertreffende Schärfe. Die Fronten formieren sich in solcher Klarheit, dass niemand außerhalb des Kampfes bleiben kann. Es gibt keine Neutralität mehr. Es gibt keine Fluchtmöglichkeit mehr. Niemand kann emigrieren. Wenn es einmal dahin gekommen ist, dass niemand außerhalb des Ringens ein verborgenes Leben führen kann, sondern von jedem offenkundig ist, zu welcher Gruppe er gehört, dann ist das Kommen des Herrn nicht mehr fern.

Der Widerchrist versucht, eine die ganze Welt umfassende, einheitliche, politische, militärische, wirtschaftliche und religiöse Ordnung zu schaffen. Indes, mögen die Menschen zunächst dem Programm: ein Staat, eine Wirtschaft, eine Religion fast ausnahmslos zujubeln, sie müssen bald erfahren, dass die Ordnung des Antichristen eine Pseudoordnung ist, dass sie den Keim des Terrors und der Verwirrung in sich trägt. Denn der Widerchristus gebraucht die in ihm angesammelte Macht nicht zur Auferbauung, sondern zur Zerstörung. Wie die Auflehnung des Menschen am Anfang der Geschichte sich als lebensfeindlich erwiesen hat, so wird auch die antichristliche Weltmacht die verhängnisvollste Weltzerstörung hervorrufen; sie schafft das Chaos, sie ruft das Chaos. Der Widerchrist, der das Paradies verspricht, er wird zum Totengräber der Welt. Wie könnte es auch anders sein; der Antichrist ist ja der Statthalter des Teufels, des Weltverderbers und Weltbetrügers. Der Widersacher setzt die schöpfungsfeindlichen Gewalten, also Krieg, Hunger, Tod, gegen die Gemeinde Christi in Bewegung. Aber die vom ihm gerufenen Chaosmächte wenden sich gegen ihn selbst. Die vom Antichrist gestaltete Welt zerfällt in Selbstvernichtung. Pest, Krieg, Hunger, Erdbeben, Hagel, Seuchen, Tod und Qual sind die Vorzeichen des Kommen Christi. Es wird zwar immer Drangsale geben, aber wenn die Geschichte auf den toten Punkt kommt, sodass die Menschen keinen Ausweg mehr sehen und in Verzweiflung erstarren, dann wird der Menschsohn kommen.

Wir können abschließend sagen, meine lieben Freunde, der Widerchristus wird eine neue Weltordnung zu schaffen versuchen, ohne Christus, ja, in heftigstem Kampf gegen ihn. Er ist eine politische Figur, er ist ein Diktator, der in seiner totalen Organisation alles, die ganze Menschheit zusammenfasst. Er ist zugleich ein religiöser Revolutionär. Der mit außerordentlicher Erkenntniskraft und Macht ausgerüstete Widerchristus und sein Theologe werden mit Erfolg zu zeigen versuchen, dass Christus der Hauptfeind der Menschen ist. Der Widerchrist wird sich und sein Werk religiös verklären, indem er einen neuen Mythos, eine neue Naturreligion gründet. Am Ende der Tage wird also Glaube gegen Glaube stehen. Das Ärgernis wird fast unüberwindlich sein. Dem Zauber der überirdischen satanischen Macht werden alle erliegen, denen Gott nicht selbst die Augen öffnet und das Herz festigt. Diese freilich werden in gelassener Ruhe und Sicherheit, in Geduld und Treue das letzte blutige Wegende der Geschichte gehen. Die Seelen derer, die um des Wortes Gottes willen und um des Zeugnisses willen hingeschlachtet wurden, schreien mit mächtiger Stimme: Wie lange, o Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, richtest du nicht und rächest du nicht unser Blut an den Bewohners der Erde? Sie erhalten zur Antwort: Wartet noch eine kurze Weile, bis eure Mitknechte und eure Brüder, die gleich euch getötet werden sollen, vollendet sind. Erst muss die Zahl der Blutzeugen voll sein, bevor Christus erscheinen kann. Und die, die aus der großen Drangsal kommen, die ihre Kleider gewaschen haben im Blute des Lammes, sie werden vor dem Throne Gottes sein und ihm dienen Tag und Nacht. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten, noch wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Hitze. Denn das Lamm wird sie weiden und sie leiten zu den Wasserquellen des Lebens. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Das wird das Ende ohne Ende sein.

Amen.  

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