Die Wahrheit verkündigen,
den Glauben verteidigen

Predigten des H.H. Prof. Dr. Georg May

Glaubenswahrheit.org  
Gericht
24. November 2019

Die Letzten Dinge in den gleichbleibenden Teilen der (tridentinischen) Messe

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Die Liturgie der Kirche ist Ausdruck ihres Glaubens. In den liturgischen Texten hat sich der Glaube der Kirche niedergeschlagen. Wie man glaubt, so betet man. Aus den gleichbleibenden Teilen der heiligen Messe des tridentinischen Ritus kann der Christ fast den ganzen Glauben der Kirche erheben, nur aus dieser Messe. Die neue Messe der Nachkonzilszeit ist weniger aussagekräftig für den Glauben. Das ist der Grund, warum ich immer an der tridentinischen Messe festgehalten habe. Hier ist der Glaube der Kirche in Fülle und Deutlichkeit ausgesprochen. Wenige Gegenstände des christlichen Glaubens sind für die christliche Lebensführung so hilfreich wie die Erinnerung an die Letzten Dinge des Menschen: Tod, Gericht, Himmel, Hölle und Fegfeuer. Sie finden sich deutlich ausgesprochen in den gleichbleibenden Teilen unserer heiligen Messe. Der Tod begegnet uns täglich bei unseren Angehörigen, bei unseren Nachbarn, bei unseren Bekannten; sie werden hinweggerafft, und wir stehen alle auf der Warteliste. Anders ist es mit Gericht, Himmel und Hölle und Fegfeuer bestellt; davon ist kaum oder äußerst selten die Rede. Umso dringlicher ist es, dass man sich an sie erinnert. Die Kirche tut es, indem sie in der heiligen Messe diese Letzten Dinge deutlich anspricht.

Wiederholt erinnern Texte in der heiligen Messe an den Tod. Die Kirche, eingedenk der Mahnung: „Sterblicher, denk ans sterben!“, verdrängt den Tod nicht. Die Erinnerung an den Tod ist deswegen erforderlich, weil Sterben gelernt sein will. Die Vorbereitung auf den Tod ist eine wichtige Aufgabe. „Wenn du heute nicht bereitet bist, wie wirst du es morgen sein?“ Schon bei der Darbringung des Brotes wird der Verstorbenen gedacht; ihnen soll die Frucht der Messfeier zugutekommen. Sie können sich selbst nicht mehr helfen, aber wir können ihnen helfen. Wir tun es, wenn wir im Messopfer ihrer gedenken, d.h. sie Gott empfehlen und für sie beten. Ein eigenes Gedächtnis gilt nach der Wandlung jenen, die uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen sind und im Schlaf des Friedens ruhen. Ihnen wollen wir den Segen des Kreuzesopfers, das ja im Messopfer gegenwärtig gesetzt wird, zuwenden. Dabei lässt die Kirche im Fluss der amtlichen Gebete eigens eine Pause einlegen, eine Pause, in der wir für die Verstorbenen beten, die uns besonders nahe gestanden haben oder für die wir eine besondere Verantwortung haben. Wie trostreich ist es, meine lieben Freunde, dass wir Angehörige der kämpfenden Kirche jenen zu Hilfe kommen können, die Glieder der leidenden Kirche sind. Wiederholt wird in den Texten der heiligen Messe auf Leiden und Tod unseres Heilandes Bezug genommen. Im ersten Gebet vor der heiligen Kommunion wird erwähnt, dass er durch seinen Tod die Welt lebendig gemacht hat. Nie, nie, meine lieben Freunde, war ein Sterben beseligender und beglückender als das Sterben des Sohnes Gottes. Er starb in Gott hinein, weil er in Gott hinein gelebt hatte. Er starb für uns, damit wir zu leben vermöchten. „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und benedeien dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die ganze Welt erlöst.“ Die vielfältigen Erwähnungen der Heiligen in der heiligen Messe sind ebenso viele Anspielungen auf den Tod, denn sie haben ihn ja bestanden. Für sie war der Tod wirklich ein Heimgang. Sie sollen unsere himmlischen Fürbitter sein, auf dass wir dahin kommen, wohin sie uns vorausgegangen sind. Ja, in der Fürbitte der triumphierenden Kirche bewährt sich die Gemeinschaft der Heiligen. Unter den Heiligen, die wir in der heiligen Messe anrufen, nimmt eine besondere Stelle der heilige Joseph ein. Er wurde von Papst Johannes XXIII. glücklich in sie eingefügt. Und er hat uns viel zu sagen, denn er ist der Patron der Sterbenden. Die Kirche nimmt mit Recht an, dass bei seinem Tode Jesus und Maria gegenwärtig gewesen seien.

Auf den Tod folgt das Gericht. Zu den in der Gegenwart vergessenen oder unterschlagenen Wahrheiten des katholischen Glaubens gehört das besondere Gericht, das Gott über jeden einzelnen nach dem Tode abhält. Nach dem Gebet für die Verstorbenen wagen wir es, Gott auch für uns um die Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen zu bitten. Bei dieser Gelegenheit werden je sieben männliche und weibliche Heilige genannt, natürlich in der Absicht, dass sie für uns eintreten. Wenn wir darum flehen, Gott möge bei der Aufnahme in die Schar der Vollendeten nicht unsere Verdienste abschätzen, sondern seine Gnade schenken, so ist damit das Gericht angesprochen, das Gott nach dem Tode über jeden Menschen abhält. Da wird das ganze Leben des Menschen einer Prüfung unterzogen, da werden Verdienst und Missverdienst abgewogen. „O, was werd’ ich Armer sagen, wenn Gerechte selbst verzagen?“, so beten wir in der Totenmesse. Kein Mensch kann die Hoffnung hegen, dass ihn seine guten Werke in den Himmel tragen werden. Jedermann muss auf das gütige Erbarmen Gottes setzen: „Wäge nicht unser Verdienst“, so heißt es in der tridentinischen Messe, „sondern schenk uns gnädig Verzeihung.“ Im zweiten Gebet vor der Kommunion ist ausdrücklich vom Gericht die Rede. Der Beter bittet darum, dass der Genuss des Herrenleibes ihm nicht zum Gericht gereichen möge. Wie kommt dieser Text in die heilige Messe? Ich denke, es ist die Erinnerung an den 1. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth. Dort wird zweimal mit dem Blick auf das Gericht vor dem unwürdigen Empfang des Leibes und Blutes des Herrn gewarnt. „Denn wer unwürdig den Leib des Herrn und sein Blut genießt, der isst und trinkt sich das Gericht.“ In diesem heiligen Augenblick, wo wir am Mahl der Liebe teilnehmen wollen, lehrt uns die Kirche, an das Gericht zu denken. Lassen wir uns warnen?

Das Messopfer ist die Feier des Kreuzestodes Jesu Christi durch die pilgernde Kirche. Darin wird das Brot des Lebens und der Kelch des Heiles gereicht, die unsere Seelen zum ewigen Leben bewahren sollen. Das ewige Leben ist das Dasein in der Herrlichkeit des Himmels, im Anschauen Gottes und in der Liebe zu Gott. Das ist das Ziel, auf das hin wir unterwegs sind. Unser irdisches Leben ist ja nur das Vorspiel. Wir sind dazu bestimmt, nach Abbruch der irdischen Zeltwohnung ein ewiges Heim im Himmel zu beziehen. Was dem ewigen Glück des Himmels entgegensteht, das sind unsere Sünden. Die Befreiung, der Nachlass und die Vergebung der Sünden werden daher von der Kirche oft und oft und immer wieder erfleht. Das geschieht auch in der heiligen Messe. Nach dem Sündenbekenntnis zu Beginn der Messe bittet der Priester mit dem gläubigen Volk um Erlass der Sünden und Führung zum ewigen Leben. Wir alle sollen fleckenlos an dem Lobopfer der Kirche teilnehmen, uns selbst als Opfergabe für Gott aufopfern. Bei der Darbringung des Brotes bittet der Priester, dass diese makellose Opfergabe – damit ist auf den geopferten Leib und das geopferte Blut nach der Wandlung gezielt – uns zum Heile für das ewige Leben gereiche. Damit ist der Heilssinn des Messopfers angesprochen. Das Opfer Christi soll uns zum Heile gereichen. Ähnlich ist es bei der Darbringung des Weines. Dieser Kelch des Heiles – also das nach der Wandlung verwandelte Blut Christi – soll uns und der ganzen Welt zum Heile gereichen. Es ist das Blut des neuen und ewigen Bundes, mit dem wir getränkt werden. Das Blut, das besser redet als das Blut des Abel. Wir sprechen vom kostbaren Blut Christi, und wahrhaftig, das Blut des Sohnes Gottes kann nur kostbar sein. Es war der Lösepreis für die Sünden der Menschheit. „Deine Gnad’ und Jesu Blut macht ja allen Schaden gut.“ Die Kirche verehrt seit jeher das Blut Christi. Und Johannes XXIII. – das sei ihm gedankt – hat die Verehrung des kostbaren Blutes besonders gefördert. Er hat eine eigene Litanei vom kostbaren Blut approbiert. Beim Gedächtnis in dem Aufopferungsgebet zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit bittet der Priester erneut, dass die verwandelte Opfergabe uns zum Heil gereiche. Am Kreuze hat der ewige Hohepriester in der Hingabe seines Lebens an Gott zum Zweck der vollkommenen Sühne und Anerkennung seines Willens ein einzigartiges, vollkommenes Opfer dargebracht. Dieses Opfer wird in der heiligen Messe in sakramentaler Gestalt gegenwärtig gesetzt. Das Messopfer ist, wie mein Lehrer Schmaus gültig gesagt hat, eine sakramentale Epiphanie von Golgotha. Dieses Opfer wird also in der Messe gegenwärtig gesetzt. Christus ist wie am Kreuze Opfergabe und Opferpriester, am Kreuze in eigener Gestalt, in der Messe in verhüllter Form. In jedem Falle ist das Opfer uns zum Heil. Beim Gedächtnis der Lebenden nach dem Sanctus wird als Zweck der Darbringung des Messopfers angegeben, dass die Seelen der Lebenden gerettet werden und dass wir in der Hoffnung auf Heil und Wohlfahrt gesichert werden. Das heilige Messopfer hat die Heilskraft des Kreuzesopfers. Das ist auch der Grund, meine lieben Freunde, warum wir nicht ängstlich zu sein brauchen, wenn wir mit Hingabe eines Messstipendiums die Messe für viele lesen lassen. Das Messopfer ist so unendlich reich wie das Kreuzesopfer. Es kommt auf die Zahl der Personen, für die wir es darbringen, gar nicht an; es reicht für alle aus. Das heilige Messopfer hat die Heilskraft des Kreuzesopfers. Im Gedächtnis der Lebenden lässt die Kirche wieder eine Pause eintreten, damit wir für die Personen beten, die uns besonders nahestehen oder die uns ein besonderes Anliegen sind. Der feierlichste Augenblick der Messe ist zweifellos die Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus. Hier ereignet sich jene unbeschreibliche Liebestat Gottes, in der sich Christus die irdische Materie aneignet, um sie den Seinen als seine verklärte Leiblichkeit zum Genuss zu schenken. Die verwandelten Gaben werden als Brot des ewigen Lebens und als Kelch des immerwährenden Heiles bezeichnet. Christus gibt uns seinen Leib und sein Blut und bereitet uns damit für den Eingang in die Seligkeit. Diese Gaben sind tatsächlich, wie Ignatius von Antiochien bemerkt hat, ein Heilmittel der Unsterblichkeit. Wir bekommen Unsterblichkeitskeime eingesetzt, die im Übergang in die ewige Seligkeit einmal fruchtbar aufbrechen werden. Unmittelbar nach dem Gebet für die Verstorbenen flehen wir um die Anteilnahme am Los der Apostel und Martyrer, d.h. um die Aufnahme in die himmlische Herrlichkeit, die jene genießen. Sie haben durch ihr Leben, Leiden und Sterben die von Gott gesetzten Bedingungen für den Eingang in das himmlische Reich erfüllt. Nun möchten wir zu ihnen gelangen. Es kommt mir manchmal verwegen vor, verwegen, wenn wir darum bitten, mit jenen Helden des Glaubens dasselbe Glück zu erhalten. Wenn wir uns mit ihnen vergleichen, erkennen wir den unermesslichen Abstand, in dem wir zu ihnen stehen. Unser Gebet ist da vom Bewusstsein des eigenen Ungenügens getragen. Wir bitten Gott, nicht unser Verdienst abzuwägen, sondern uns seine Gnade zu schenken, dass wir das Ziel erreichen. Bei der Brechung und Vermischung der heiligen Gestalten beten wir erneut darum, dass der Empfang uns zum ewigen Leben gereichen möge. Das ist ja der Sinn und Zweck der heiligen Kommunion, sie soll uns bereiten für den Eingang in das himmlische Reich. Diese Wirkung ist freilich kein Automatismus. Nur der würdige Empfang der heiligen Gabe zeitigt den angegebenen Effekt. Unsere Bitte geht bei der heiligen Messe immer auf das Maximale, nämlich auf das Ziel: die himmlische Herrlichkeit. Wir flehen nicht um zweitrangige Güter, sondern um das höchste Gut. Katholische Religion ist nichts für Kaninchenseelen. Wenn der Priester den Leib und das Blut des Herrn empfängt, betet er beide Male darum, dass sie seine Seele zum ewigen Leben bewahren mögen. Dieselbe Bitte spricht er aus, wenn er den Gläubigen den Leib des Herrn reicht. „Der Leib unseres Herrn Jesus Christus gereiche deiner Seele, gereiche dir zum ewigen Leben.“ Bis zur Auferstehung des Fleisches ist es nur die Seele, welche Anteil gewinnt an der Herrlichkeit des Himmels. Früher stand auf den Missionskreuzen, die nach Volksmissionen errichtet wurden, das schöne Wort: Rette deine Seele. Diese Losung ist bis heute nicht ungültig, nicht veraltet, nicht überholt. Rette deine Seele, die dein Heiland mit seinem kostbaren Blut erkauft hat. Wenn der Priester danach den Kelch reinigt, fleht er noch einmal darum, dass aus der zeitlichen Gabe, die er empfangen hat, ein immerwährendes Heilmittel werde. Das Messopfer ist vergangen, aber was es bewirken soll, steht noch bevor, nämlich das Weitergehen und die Vollendung auf dem Pilgerweg, der uns in den Himmel der Freuden führt.

Ein furchterregendes Geheimnis unseres Glaubens, meine lieben Freunde, ist die Wahrheit von der ewigen Verwerfung, vom Absturz in den Zustand der Finsternis und der Qualen. Unser Herr hat diesen Gegenstand seiner Verkündigung wiederholt und immer wieder vorgetragen. Er nennt die Hölle jene Stätte, wo der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. Es ist Bestandteil unseres Glaubens, dass es einen jenseitigen Strafzustand gibt, in dem die von Gott abgewandten Bösen ihre ewige Vergeltung empfangen. Die Kirche nimmt die Offenbarung von der Hölle ernst, aber nicht alle Glieder der Kirche tun es. Die einen verschweigen diese Wahrheit, die anderen suchen sie abzuschwächen, wieder andere leugnen sie. Sie hört dadurch nicht auf, wahr zu sein. Die Wahrheit von der Existenz eines ewigen Zustandes der Verlorenheit ist – das gebe ich zu – eine starke Anforderung an den Menschen und auch an den Christen. Dass es Menschen geben soll, die immer und endlos von dem Ziel ausgeschlossen sind, für das sie geschaffen sind, scheint mit der Güte und dem Erbarmen Gottes schwer vereinbar. Doch wir können Gott nicht vorschreiben, wie er zu sein und zu handeln hat; denn er sagt: „Wenn dir dein Fuß oder deine Hand zum Ärgernis wird, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, verstümmelt zum Leben einzugehen, als mit beiden Händen oder Füßen ins ewige Feuer geworfen zu werden.“ Schon bei der Händewaschung fleht der Priester zu Gott, er möge ihn nicht zugrunde gehen lassen mit den Sündern. Das hier angesprochene Verderben ist der Verlust des ewigen Lebens. Es wird also gebeten um die Rettung vor der Verdammnis. Unmittelbar vor der Verwandlung der Gaben beten wir erneut um die Bewahrung vor der ewigen Verdammnis und um die Einreihung in die Schar der Auserwählten Gottes. Hier wird der Absturz in die Unseligkeit exakt beschrieben. Die Kirche hat ihren Grund, warum sie diese Bitte an dieser Stelle an Gott richtet. Der Umgang mit dem Heiligen verlangt Heiligkeit. Das zweite Gebet in der Einzahl vor dem Empfang der Kommunion richtet an Jesus Christus die Bitte, der Empfang seines Leibes möge mir nicht zum Gericht und zur Verdammnis gereichen. Der hier gebrauchte Ausdruck bezeichnet den zur ewigen Unseligkeit verurteilenden Spruch des Richters. Eine größere Gefahr kann es für uns nicht geben als die Verwerfung im Gericht. Die Kirche rechnet also grundsätzlich mit der Möglichkeit, dass das, was als Unterpfand des Heils gegeben wird, zur Unseligkeit ausschlagen kann. Der fromme Beter im Buch von der „Nachfolge Christi“ fleht daher wiederholt zum Herrn: „Wenn du mich nur nicht auf ewig verstoßest“, wenn du mich nur nicht auf ewig verstoßest.

Der Glaube der Kirche kennt endlich einen Zwischenzustand zwischen Gericht und Himmelsseligkeit. Es ist jener Zustand, in dem die Seelen weilen, die zwar vor der Hölle gerettet sind, aber infolge der Schlacken, die ihnen noch anhaften, für den Zustand des Himmels noch nicht geeignet sind. Sie müssen eine Reinigung durchmachen, die wegen ihrer schmerzlichen Weise Fegefeuer genannt wird. Wie Feuer brennt, das weiß jeder, der einmal mit einer offenen Flamme in Berührung gekommen ist. Das Bild vom Feuer will das Ausmaß der Qualen andeuten, in denen die Armen Seelen gereinigt werden. Es gibt Selige des Himmels, denen zu Lebzeiten Offenbarungen über den Reinigungszustand geschenkt wurden. Zu ihnen gehört vor allem Katharina von Genua. Die Heiligen, die Gott näher stehen als wir, wissen genauer, wie qualvoll die Läuterung ist, welche die Seelen durchmachen müssen, die noch nicht reif sind für die himmlische Herrlichkeit. Wir sollten ihnen eher trauen als den peinlichen Verharmlosungen modernistischer Theologen. Die Kirche hat bei der Erwähnung der letzten Dinge den Reinigungszustand nicht vergessen. Nach der Wandlung der Gaben steht ein eigenes Gebet für die verstorbenen Gläubigen. Wir flehen, dass Gott ihnen den Ort der Erquickung, des Lichtes und des Friedens gewähren möge. Dieser Ort ist der Zustand der ewigen Seligkeit. Es wird also damit gerechnet, dass die Verstorbenen diesen Ort noch nicht erreicht haben, d.h. sie befinden sich im Zustand des Fegefeuers. Aber dass wir dafür beten dürfen, dass sie diesen Ort erreichen, das zeigt, dass die Kirche für sie Hoffnung hat, ihn zu gewinnen. Die Erwähnung des Fegefeuers im gleichbleibenden Text der heiligen Messe ist von hohem Wert. Hier wird ein Dogma des katholischen Glaubens ausgesprochen, das aber in der nachkonziliaren Zeit aus der Verkündigung der Bischöfe und Priester verschwunden ist. Umso dringender ist die Erwähnung im Messopfer. Hier werden die Kräfte des Gebetes und der Sühne mobilisiert, mit denen die streitende Kirche der leidenden Kirche zu Hilfe kommt. „Lieber Heiland, sei so gut, lasse doch dein teures Blut in das Fegefeuer fließen, wo die Armen Seelen büßen. Ach, sie leiden bittre Pein, wollest ihnen gnädig sein.“ Der Text der gleichbleibenden Teile der heiligen Messe enthält eine ganze und lückenlose Belehrung über die Letzten Dinge des Menschen. Wer ihn aufmerksam und aufnahmebereit liest, erneuert sein Wissen um unser aller Endzustand und bekräftigt seinen Willen, durch Tod, Gericht und Fegefeuer den Himmel zu erreichen. Es besteht kein Zwang, meine lieben Freunde, bei der Teilnahme am heiligen Messopfer alle Gebete, die der Priester pflichtgemäß verrichtet, mitzubeten. Das ist nicht notwendig. Wer den Grundgedanken des Messopfers begriffen hat: Christus geht durch Leid und Tod zum Vater, und wer sich ihm anschließt und fleht: Nimm mich mit, mein Heiland, nimm mich mit!, der hat gut die Messe mitgefeiert. Aber eines sollte freilich bei keiner Teilnahme am Messopfer fehlen, nämlich die Erinnerung an die Letzten Dinge: an Tod, Gericht, Himmel, Hölle und Fegfeuer.

Amen.    

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