11. Oktober 2026
Die katholische Kirche
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Geliebte im Herrn!
Das Wort katholisch bedeutet so viel wie allgemein, universell, insgesamt. Der Begriff katholisch bezeichnet eine umfassende Gesamtheit. Die Katholizität, als Universalität des Heilswerkes verstanden, wird im AT schon angedeutet. Es verstand sich immer deutlicher als Vorbereitung eines universalen Bundes Gottes mit der Menschheit. Der Gedanke des universalen Heilsauftrages ist im AT vorbereitet. Besonders Is fasst das Heil für alle Welt ins Auge (40,5; 45,23f.; vgl. Sach 2,15; Ps 22,28; Jes 25,6ff.) und nimmt dafür das Gottesvolk in die Pflicht (Jes 43,10,12; 44,8; 42,6; 49,6). Ignatius von Antiochien hat das Wort katholikos als erster für die Kirche Christi verwendet. Im Brief an die Smyrnäer schreibt er: „Wo Jesus Christus ist, da ist die katholische Kirche.“ Das Wort hat hier offensichtlich die Bedeutung von allgemein. Im 2. Jahrhundert wagte der Apologet Justin zu schreiben: „Es gibt kein Volk, weder unter den Barbaren noch unter den Hellenen, in dem nicht im Namen des gekreuzigten Christus dem Vater des Weltalls Gebete dargebracht werden.“ Augustinus meinte im 5. Jahrhundert: „Macht doch endlich einmal die Augen auf und seht, wie von Anfang bis zum Niedergang an allen Orten das Opfer der Christen dargebracht wird.“ Die Ausdehnung der Erde und die Vielzahl der Völker waren damals nicht bekannt. Die Kirche Christi ist weder an eine Nation oder ein politisches System noch an eine bestimmte Kultur gebunden. Sie steht über allem, wenngleich sie in allem lebt. Sie ist nicht partikularistisch eingeengt, sondern übersteigt alle geographischen, kulturellen und politischen Schranken. Schon daraus ergibt sich: Eine Kirche, die ganz vom Herrscher oder Staat abhängig ist wie die orthodoxe, die also eine Nationalkirche ist, kann nicht die wahre sein.
Die Katholizität der Kirche beruht auf der Universalität der Sendung Christi (Joh 3,15; 12,46f.; 5,22-27; 9,39; Mt 24,30; 25,31f.; Röm 8,19-23; Eph 1,9f.; Phil 2,9f.; Kol 1,19f.; 1 Tim 2,1-6). Das Faktum der Katholizität der Kirche wird angekündigt in den Gleichnissen und Vorhersagen Jesu (Mt 13,31.36.42; 24,14; 26,1.3). Der ausdrückliche Auftrag Christi vertraut den Aposteln und ihren Nachfolgern die Verwaltung des universalen Erlösungswerkes an (Joh 17,18; 20,21; Mt 28,18ff.; Lk 24,47; Apg 1,8); an Pfingsten wird die Universalität offenkundig durch die Vielzahl der Sprachen, die vom Geist geschenkt wurde, „damit jeder, der den Namen des Herrn anruft, gerettet werde“ (Apg 2,3-21). Der Wille Gottes zum Heil aller und zur Katholizität der Kirche sollte sich in geschichtlichen Phasen geschichtlich greifbar realisieren, schon um das Vorrecht der früheren Berufung Israels zu wahren. 1. Darum sagt Christus, er sei nur zu den Schafen des Hauses Israel gesandt (Mt 15,24ff.; 10,5f.,23; 19,28). 2. Nach Erweis der Verhärtung Israels gibt er aber vor der Himmelfahrt den Aposteln den ausdrücklichen Auftrag zur Universalität, freilich so, dass das Evangelium zuerst Israel gepredigt werden solle (Mt 28,18f.; Lk 24,47; Apg 1,8). Wer den Auftrag hat: Gehet hin in alle Welt, kann nicht warten, bis die Welt ihn ruft. 3. Die Apostel verkünden demgemäß das Evangelium und die Auferstehung Jesu zuerst den Juden, aber vergeblich (Apg 2-8), darum wird Paulus erwählt (Apg 9), wird dem Petrus geoffenbart, die Heiden seien aufzunehmen ohne Verpflichtung auf das atl. Gesetz (Apg 10,4f.). 4. Das Evangelium wird nach dem Martyrium des Jakobus und der Einkerkerung des Petrus (Apg 12, 1-27) zu den Heiden gebracht, vor allem mit Hilfe des Paulus (Apg 13-28). Dieser beobachtet aber wegen des Vorzugs der Juden (Röm 3,1ff.; 9,30f.; 10,3-20f.; 11,11-27) das Gebot, zuerst diesen zu predigen (Apg 13,14-48; 18,4ff.,19,8ff.; 28,23-29). Bei der schwindenden Hoffnung auf die Bekehrung der Juden hebt er die völlige Gleichheit aller in Christus besonders hervor (Eph 2,11-3,7).
Die wesentliche Katholizität der Kirche beinhaltet: 1. als fundamentale Voraussetzung und Ursprung den allg. Heilswillen des Vaters, der die Kirche zum Heil aller Menschen bestimmt hat; 2. als effiziente und meritorische Ursache die Erlösungsmacht des Sohnes, des Hauptes der Kirche, der sein Heil allen anbietet und schenkt; 3. als treibende Kraft das lebenspendende Wirken des Heiligen Geistes. Es ist für alle notwendig und kann nur in der Kirche oder durch die Kirche oder in Hinordnung auf die Kirche erlangt werden. Daher ist die Katholizität der Kirche gestiftet vom Vater durch den Sohn im Heiligen Geist, um allen Menschen die Teilhabe am göttlichen Leben zu gewähren.
Das Wort katholisch schließt mehrere Bedeutungen in sich. Man kann eine äußere und eine innere Katholizität unterscheiden. Die äußere Katholizität bezieht sich sowohl auf den Raum als auch auf die Zeit. Die Kirche Christi ist für die ganze Welt, für alle Völker und Menschen sowie für die ganze Erdenzeit bestimmt. In der Theologie der Kirchenväter enthielt die äußere Katholizität der Kirche drei eng miteinander verbundene Momente: 1. die kirchenbegründende Einheit in und mit Christus, aus der sich 2. die erkennbare Echtheit der Kirche und 3. ihre grundsätzliche und faktische Universalität ergibt. Mit der räumlichen Katholizität ist etwas anderes ausgesagt als die große Zahl von Anhängern unter allen Völkern. Sie will zunächst besagen, dass die Kirche Christi fähig ist, alle Menschen und Völker zu erreichen und ihnen zu bieten, wessen sie für die Erfüllung ihres Wesens bedürftig sind. Wer in die Kirche Christi eingeht, braucht seine natürliche Eigenart nicht preiszugeben, um Christ zu sein. Die Kirche hat die Fähigkeit, allen Menschen, welcher Rasse, welchem politischen System, welcher Kulturstufe immer sie angehören, Hilfen zur Selbstentfaltung zu bieten. Niemand wird, wenn er Christ wird, seinem Wesen entfremdet. Derartiges lässt sich von anderen religiösen Gebilden nicht sagen. Sie sind jeweils einem bestimmten Volk oder einer bestimmten Kulturstufe zugeordnet und verlangen von einem Menschen, der diesem Volk oder dieser Kulturstufe nicht angehört, die Aufgabe dessen, was er ist oder besitzt, wenn er einer solchen Religion beitreten will. Die Fähigkeit der Kirche, alle Menschen und Völker zur Erfüllung ihres Wesens zu bringen, ist eine ihr immanente Wesenseigentümlichkeit. Die Kirche war schon katholisch, als sie noch auf den engen Raum des Obergemachs in Jerusalem beschränkt war und nur etwa 120 Mitglieder zählte. Aus dem gleichen Grund war sie katholisch, als Hieronymus seufzen musste, dass die ganze Welt arianisch geworden sei. Sie wird auch katholisch bleiben, wenn sich die Prophezeiungen der Johannes-Apokalypse erfüllen und das Volk Gottes auf eine kleine Schar von Getreuen und Standhaften zusammenschmilzt. Es ist also nicht die große Zahl als solche, in welcher die räumliche Katholizität in Erscheinung tritt. Doch ist sie nicht gleichgültig. Denn die Kirche muss realisieren, wozu sie fähig ist. Ihre innere verborgene, geistige Katholizität treibt sie zu allen Menschen und Völkern. Je mehr Menschen sie tatsächlich erreicht, um so intensiver verwirklicht sie, wozu sie berufen ist. In ihrer Verbreitung über die ganze Erde bekundet sie ihre von Christus eingeschaffene Expansionskraft. Die Kirche war auch immer bestrebt, ihre Sendung in allen Gebieten der Erde auszuüben. Sie ist zu den Eskimos gegangen und zu den Indianern, sie hat sich um die Mongolen bemüht wie zu den Menschen auf den Inseln des Indischen Ozeans. Die lutherische Religionsgemeinschaft entstand 1500 Jahre nach Christus. Die anglikanische Religionsgemeinschaft wurde von König Heinrich VIII. von England gegründet. Die altkatholische Religionsgemeinschaft trat 1870 ins Leben. Allein die katholische Kirche besteht seit der Zeit der Apostel. Als der protestantische Graf Stolberg katholisch wurde, sprach ein protestantischer Freund zu ihm: „Ich liebe nicht jene, welche die Religion ihrer Völker verlassen.“ Stolberg entgegnete: „Ich auch nicht. Hätten nämlich meine Vorfahren den Glauben ihrer Väter nicht verlassen, hätte ich es nicht notwendig gehabt, zur katholischen Kirche zurückzukehren.“
Das zweite Moment in der äußeren Katholizität der Kirche ist ihre Erstreckung über die Zeiten. Sie hat die Fähigkeit, alle Zeiten zu überdauern und sie von innen her zu formen und zu gestalten. Die Zeit ist ein gefährlicher Gegner. Während man von allem Sonstigen sagen muss: es hat seine Zeit, muss man von der Kirche sagen: sie hat immer ihre Zeit. Sie gehört nie zu den veralteten und überlebten Einrichtungen. Sie wird nie durch eine bessere Heilseinrichtung abgelöst werden. Es wird nie etwa an die Stelle der Kirche Christi eine Kirche des Hl. Geistes treten, wie Joachim von Fiore irrtümlich meinte. Die Kirche wird auch durch keinen innerweltlichen Fortschritt überholt werden. Es gibt keinen echten Fortschritt über sie hinaus. Die Meinung, die Kirche werde durch den kulturellen Aufstieg überflüssig werden, ist eine Illusion. Sie zielt nicht auf den irdischen Fortschritt und kann daher auch durch den irdischen Fortschritt nicht ersetzt werden. Jeden echten Fortschritt nimmt die Kirche in sich auf, mag er im wissenschaftlichen oder im kulturellen Bereich erreicht werden. Sie fürchtet kein wahres Ergebnis wissenschaftlicher Forschung und keine Neuheit wahrer Kultur. Es gehört vielmehr zu ihrem Wesen, alle wirklichen Wahrheiten und menschenwürdigen Neuerungen zu bejahen. Alles, was im Lauf der Geschichte hervortritt, verhilft ihr jeweils dazu, sich selbst besser zu verstehen und ihr Wesen immer reicher zu entfalten. Das Antlitz der Kirche ändert sich mit der Entwicklung immerfort. Dennoch besteht eine unzerstörbare Kontinuität zwischen der Urkirche und der Kirche aller Jahrhunderte. Der Wandel, dem die Kirche unterworfen ist, bezieht sich auf die Entfaltung ihres immanenten Lebens. Sie nimmt nichts Wesensfremdes auf und verliert nichts Wesenseigenes. Was sie aus der Welt aufnimmt, verwendet sie für die Entfaltung dessen, was ihr selbst eigen ist.
Die innere Katholizität der Kirche bezieht sich auf die Offenbarungswahrheit und die Heilsgüter sowie auf die gläubige Entfaltung und die allseitige Verwirklichung des von Christus geschenkten Heils im Leben. Gleicherweise bedeutet die innere Katholizität der Kirche 1. die trotz aller Verschiedenheit gegebene Fülle der Einheit in Christus zur Erfüllung aller übernatürlichen Bedürfnisse aller Menschen in allen Völkern, Zeiten und Ländern; 2. die bei aller Vielfalt gegebene Totalität der geoffenbarten Wahrheit, der Heilsmittel und der Heilsinstitutionen; 3. die trotz aller Unterschiedlichkeit gegebene Universalität der Ausbreitung und Anpassung der Heilsökonomie über alle Völker, Länder und Zeiten. Aus der japanischen Missionsgeschichte wird berichtet: Eines Tages kam ein katholischer Priester in eine Gegend, in der die Katholiken seit der Verfolgung ausgestorben schienen. Da kamen am Abend mehrere Männer zu ihm. Der eine zog ein während der Verfolgung zerbrochenes Kreuz unter dem Kleide hervor und fragte den Priester: „Kennst du diesen?“ Er antwortete: „Es ist unser Heiland, der für die Sünden der Menschen am Kreuze starb.“ Da nickten die Männer und schauten einander bedeutungsvoll an. – Dann zogen sie ein altes, verblasstes Marienbild hervor und fragten: „Kennst du diese Frau?“ Der Priester führte das Bild an seine Lippen und küsste es: „Es ist die gebenedeite Mutter unseres Erlösers.“ Da ging ein Leuchten der Freude über die Gesichter der Japaner. – Schließlich fragte der Anführer: „In einer fernen großen Stadt wohnt ein Bischof, dem der ganze Erdkreis gehorchen muss; weil Christus ihn als seinen Stellvertreter eingesetzt hat. Weißt du von ihm?“ Der Priester entgegnete: „Es ist der Heilige Vater in Rom, der Nachfolger des hl. Petrus. Er hat mich zu euch gesandt, dass ich euch die frohe Botschaft der Erlösung verkünde und euren Seelen die Gnade Christi durch die Sakramente vermittle.“ Da fielen die Männer dem Priester um den Hals und riefen unter Freudentränen: „Wir haben einen Glauben und ein Herz.“ Der Gegensatz zu dieser inneren Universalität ist die Häresie, in der nicht das Ganze, sondern ein Stück des Ganzen angenommen wird, und das Schisma, in dem sich bestimmte Gruppen vom Ganzen absondern, um ihr eigenes Leben außerhalb des Ganzen zu führen.
Die innere Katholizität der Kirche schließt in sich, dass die Kirche immer tiefer in das Werk Christi hineinwächst. Die Kirche entfernt sich dabei nie von ihrem Ausgangspunkt, der apostolischen Grundlage. Sie wird vielmehr immer stärker ihres eigenen Reichtums inne. Sie dringt immer lebendiger in ihr Wesen ein. Nie wird in der Kirche die Kontinuität zerstört. Auch jene Entfaltung der Offenbarung, die sich in den Dogmen kristallisiert, bedeutet keinen Bruch mit der Vergangenheit. Denn in den kirchlichen Lehrentscheidungen wird formuliert, was das Ergebnis der Einführung der Kirche in die Wahrheit durch den Hl. Geist ist. Da wird nichts Neues geschaffen, sondern bestimmt, was bereits alle glaubten, sei es explizit, sei es implizit. Die Kirche löst sich in ihren Glaubensentscheidungen nicht von ihrer Vergangenheit, sondern bindet sich an sie, indem sie sich ihrer Vergangenheit klarer und deutlicher als bisher bewusst wird. Der Hl. Geist hat der Kirche die von ihm inspirierte Hl. Schrift übergeben. Dadurch hat er sie an das geschriebene Wort gebunden. Damit ist die gesamte Zukunft der Kirche geprägt. In jeder Lehrentscheidung erkennt sie diese Bindung an. In der Aufstellung eines Dogmas tritt die endgültige und verpflichtende Interpretation der Hl. Schrift durch den Hl. Geist in die konkrete Wirklichkeit ein. Die Kirche bindet sich so für ihre ganze Zukunft an die vom Hl. Geist gebotene Auslegung der Hl. Schrift. Dogmatische Formulierungen und Formeln heben den Zusammenhang mit der Schrift nicht auf, sondern betonen und klären ihn. In jeder lehramtlichen Entscheidung wird die Zukunft der Kirche an ihre Vergangenheit gebunden. Implizit enthalten Schrift und Überlieferung von Anfang an alle Offenbarungswahrheiten. Aber erst die Entfaltung des implizit Gegebenen gibt im Rückblick eine klare Vorstellung und Kenntnis des zunächst und schon immer implizit Gegebenen.
Die römisch-katholische Kirche besitzt die Wesenseigenschaft der Katholizität sowohl in personaler wie in sachlich-heilsontologischer Hinsicht. Hinsichtlich der personalen Katholizität legt die Geschichte ein eindeutiges Zeugnis ab. Die Kirche hat sich bemüht, das Evangelium allen Völkern zu verkündigen. Im Mittelalter war man der Meinung, dass das Evangelium gemäß dem Auftrag Christi allen Völkern verkündet sei. Die Entdeckung der Neuen Welt hat diese Überzeugung erschüttert, da man erkannte, dass die Welt viel größer ist, als man bis dahin annahm. Das führte jedoch zu neuer Missionstätigkeit. Heute lässt sich schwer entscheiden, ob die Heilsbotschaft schon alle Völker erreicht hat. Entscheidend ist nur, dass die Kirche die Fähigkeit und die Kraft hat, alle Menschen mit ihrer Heilsbotschaft anzusprechen. Der tiefste Grund ist darin zu sehen, dass diese eine Botschaft Gottes ist, dem alle Menschen geöffnet sind. Es trifft nicht zu, wenn behauptet wird, der Katholizismus sei (mehr) für die romanischen Völker geeignet, der Protestantismus für die germanischen Völker. Die germanischen Völker haben den katholischen Glauben nicht weniger willig angenommen als die romanischen Völker, und sie sind von ihm abgegangen nicht mit freiem Willen, sondern durch Gewalt. In England existierten schon im 2. Jahrhundert Christengemeinden. Nach Rückschlägen durch Stammes- und Rassenkämpfe blühte hier die angelsächsische Kirche, die für die ganze abendländliche Geschichte von Bedeutung wurde. Seit der normannischen Eroberung beeinflusste die Kirche das gesamte Leben. Die schäbige Weise, wie sich England von Rom trennte, ist bekannt. Die Tochter Heinrichs VIII., Elisabeth, begann eine von Jahr zu Jahr heftigere Verfolgung der Katholiken. In Dänemark wurde die Glaubensneuerung von Christian III. durchgeführt. Er ließ an einem Tage sämtliche Bischöfe gefangennehmen, von einen Rumpfreichstag (1536) die bischöfliche Gewalt abschaffen und das Kirchengut der Krone zusprechen. Jede andere als die lutherische Religionsübung wurde streng verboten. Die Volksvertretung von Island beschloss im Jahr 1000 das Christentum als allen Isländern gemeinsame Religion einzuführen. Die katholische Religion wurde im 16. Jahrhundert gewaltsam unterdrückt. Der Bischof, der sich mit Waffen gegen den Abfall wehrte, wurde (1550) enthauptet. Das Christentum kam nach Norwegen von England. Es entstand eine blühende kirchliche Gemeinschaft, deren Patron der hl. König Olaf II. (1015-30) war. Der dänische König Christian III. (1535-59), auch Herr von Norwegen, zwang den Norwegern das Luthertum auf. Auch in Schweden wurde das Christentum von England aus eingeführt; es entstanden sieben Bistümer. Der Protestantismus wurde durch die Krone eingeführt. Als sich Katholiken dagegen wehrten, wurde ihr Widerstand grausam unterdrückt.
Was die heilsontologische Universalität betrifft, so verkündet die Kirche die Heilsbotschaft ungeteilt und ungeschmälert. Sie vermittelt den Menschen das ganze von Christus bereitete Heil ohne Abstriche. Sie erklärt nicht unbequeme Wahrheiten und Gebote für zeitbedingt oder überholt, wie es im Protestantismus geschieht. Die Kirche weiß sich im Besitz der ganzen Wahrheit und aller Heilsgüter. Sie kann durch andere Konfessionen nichts an Wahrheit oder Heil gewinnen. Auf Grund ihres Glaubens kann und darf sie keine andere Lehre vertreten. Täte sie es, so würde sie aufhören, die wahre Kirche Christi zu sein. Melanchthon war ein Schüler und Mitarbeiter Luthers. Als seine Mutter auf dem Sterbebett lag, sprach sie zu ihrem Sohn: „Ich bitte dich, sag mir jetzt aufrichtig, welcher Glaube der richtige ist, der neue oder der alte.“ Melanchthon verharrte einige Augenblicke im Schweigen und senkte den Kopf. Die kindliche Liebe kämpfte mit seinem Stolze. Schließlich sprach er: „Mutter, die neue Lehre ist leichter, aber die katholische ist sicherer.“ In diesen Worten liegt das Bekenntnis: Die katholische Kirche hat die wahren Mittel zur Seligkeit. Wenn an die Kirche neue Fragen herantreten oder Gefahren gegen ihre Glaubenslehre aufsteigen, vermag sie aus Schrift und Überlieferung Antwort zu geben. Dadurch wird die gläubige Erkenntnis der Offenbarung geklärt und vertieft. Was bis dahin implizit, einschlussweise geglaubt wurde, wird so zur Klarheit des explizit Geglaubten emporgehoben. Als G. K. Chesterton (1922) in die katholische Kirche eintrat, wurde er oft gefragt, warum er Katholik geworden sei. Er antwortete: „Es gibt 10000 Gründe dafür, die alle zusammen einen Grund ausmachen: dass der Katholizismus wahr ist. 1. Im Katholizismus allein wird verhindert, dass die Sünde ein Geheimnis wird. 2. Im Katholizismus allein kann der Höhergestellte nicht höher, im Sinne von überheblich, sein. 3. Im Katholizismus allein wird der Mensch von der erniedrigenden Sklaverei, ein Kind seiner Zeit zu sein, befreit. 4. Der Katholizismus allein spricht, als wäre er die Wahrheit, als wäre er ein echter Bote, der sich weigert, eine echte Botschaft zu verfälschen. 5. Der Katholizismus ist die einzige Art Christentum, die wirklich alle Arten von Menschen umschließt, sogar den ehrenhaften Menschen. 6. Der Katholizismus ist der einzige große Versuch, der die Welt von innen her wandelt und durch freien Willen und nicht durch Gesetze wirken will.“
Amen.