Die Wahrheit verkündigen,
den Glauben verteidigen

Predigten des H.H. Prof. Dr. Georg May

Glaubenswahrheit.org  
9. August 2026

Konrad von Parzham

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Geliebte im Herrn!

Der Apostel Matthäus überliefert einen Jubelruf Christi: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Klugen verborgen, aber Einfältigen geoffenbart hast. Dieses Wort ist im Christentum wiederholt in Erfüllung gegangen. Gott hat sich mit Vorliebe vor schlichten Menschen geoffenbart. Ihre Namen stehen im Katalog der Heiligen. Einer von Ihnen ist Johannes Birndorfer, uns bekannt als Konrad von Parzham. Er wurde am 22. Dezember 1818 in einer Bauernfamilie zu Parzham bei Griesbach im Landkreis Passau geboren. Schon den Knaben zog es zu Gott hin. Am liebsten war es ihm, wenn er beten konnte. So betete er auf dem Weg zur Schule den Rosenkranz und wusste auch andere Kinder dafür zu gewinnen. Je älter er wurde, um so mehr wuchs seine Liebe zum Gebet. Wo er ging und stand, ständig waren die Gedanken des jungen Mannes bei dem allgegenwärtigen Gott; ihm gehörte die Liebe seines Herzens. Hatte er am Abend die Tür seiner Kammer hinter sich geschlossen, begann er erneut die Zwiesprache mit seinem Gott. Die Stunden eilten dahin. Oft brach der Morgen an, ohne dass er sich einen Augenblick zur Ruhe niedergelegt hätte. Der Sonntag Johannes Birndorfers gehörte ganz Gott. Um noch eine zweite Messe besuchen zu können, war er bei Tagesanbruch bereits unterwegs zur Frühmesse in Griesbach. Das Hochamt feierte er in der Pfarrkirche zu Weng mit. Häufig fand er sich zur Vesper in Birnbach ein, wo er danach noch zwei Stunden in Anbetung vor dem Tabernakel verharrte. Dafür nahm er einen Weg von vier oder fünf Stunden in Kauf. Mit schier übermenschlicher Willenskraft und Selbstverleugnung zwang er seinem Körper beinahe unglaubliche Überwindungen ab. Bei einer Wallfahrt nach (dem fünf Stunden entfernten) Aigen lernte er mit 22 Jahren in dem Benefiziaten Dullinger seinen Seelenführer kennen. Alle acht oder vierzehn Tage zog er nun dorthin, um zu beichten, den Gottesdiensten beizuwohnen, die hl. Kommunion zu empfangen und sich beraten zu lassen. Bereits um ein Uhr nachts brach er auf. Strömender Regen, hoher Schnee oder Glatteis konnten ihn nicht davon abhalten. Wenn er nach zehnstündigem Marsch, auf dem er ständig betete, am späten Nachmittag nach Hause kam, war er immer noch nüchtern. Nach einer kleinen Stärkung zog er sich in seine Kammer zurück, um zu beten oder ein geistliches Buch zur Hand zu nehmen. An dem Gang nach Aigen hielt er neun Jahre fest, bis er ins Kloster eintrat. Im Winter, wenn die Arbeit auf dem Hof es erlaubte, besuchte er fast regelmäßig die Werktagsmesse in Weng oder in St. Wolfgang. War bei der Schneeschmelze oder nach starkem Regen der Weg überschwemmt, watete er durch das Wasser, mochte es ihm auch bis an die Knie gehen. In seinem Eifer kam er schon um halb vier in der Frühe zur Kirche, wo er dann kniend bis zum Öffnen vor dem Portal in Anbetung verharrte. Die Wertschätzung der Eucharistie verdankte er dem Volksbuch des Martin von Cochem über die heilige Messe. Er hat es eifrig gelesen, betrachtet und sich zum geistigen Eigentum gemacht. Der sonst so in sich Gekehrte konnte begeistert reden, wenn man von der Eucharistie sprach. Johannes Birndorfer wusste, dass das Messopfer die Repräsentation des Kreuzesopfers ist. Er versetzte sich bei der Feier der Messe auf Golgotha, das Todesleiden des Herrn stand ihm lebendig vor Augen. Hier holte er sich die Kraft zur Nachfolge seines gekreuzigten Herrn für den kommenden Tag. Konrad drängte es, sein ganzes Leben im Dienste Gottes zu verbringen. In dieser Absicht bat er wiederholt um die Aufnahme in ein Kloster. „Der liebe Gott verlässt mich nicht; er hat schon einen Platz für mich aufbewahrt.“ Damit tröstete sich der junge Bauer Johannes Birndorfer, wenn wieder ein Gesuch um Aufnahme in ein Kloster abschlägig entschieden worden war. Der elterliche Hof wartete auf ihn. Mit seinen 125 Tagwerk, seinem reichen Viehbestand und seinen sechs Bediensteten gehörte er zu den stattlichsten im Rottal. Doch Johannes Birndorfer vernahm in sich die Stimme Gottes, die ihn ganz für sich haben wollte. Erst mit 30 Jahren fand er Aufnahme bei den Kapuzinern in Altötting. Er erhielt den Ordensnamen Konrad.

Das Geheimnis der Eucharistie war die Quelle und die Mitte seiner Frömmigkeit. Bereits mit sieben Jahren durfte er die erste heilige Kommunion empfangen. Er machte den Vorsatz, jeden Sonntag zum Tisch des Herrn hinzutreten, und blieb diesem Vorsatz treu bis zum Eintritt in das Kloster. Dort genügte es ihm nicht, drei- oder viermal in der Woche, wie es damals üblich war, zu kommunizieren. Seine große Herzensreinheit und seine außerordentliche Sehnsucht nach der eucharistischen Speise bewogen seine Oberen zu einer Ausnahme. Er durfte täglich den Leib des Herrn empfangen. Um Aufsehen zu vermeiden, wurde ihm die Kommunion schon vor dem Aufstehen der Klosterfamilie um halb fünf gereicht. Aus Dank für diese Gnade, die ihm neununddreißig Jahre lang zuteilwerden sollte, kniete Konrad seit drei Uhr vor dem Tabernakel.

Konrad verwaltet 41 Jahre das Amt des Kloster-Pförtners. Ein hartes Tagwerk muss er leisten. Des Morgens um halb vier steht er auf und öffnet dem Bruder Sakristan die Pforte der Kirche. Dann verrichtet er das Morgengebet, hält seine Betrachtung, dient bei der heiligen Messe. Von sechs Uhr ab hat er bei eineinhalbstündiger Mittagspause bis abends neun Uhr in einem fort Dienst an der Pforte. Dort herrscht lebhafter Verkehr. Die Leute bestellen heilige Messen, wollen die Patres sprechen, arme Handwerksburschen bitten um Almosen und Essen. Alle hat der Pförtner zu betreuen. 41 Jahre lang war Konrad bei dieser aufregenden, nervenzerrüttenden Arbeit die Ruhe und Liebe selbst. Nie hat ihn einer ungeduldig gesehen. Nie hat er ein liebloses Wort gesagt. Besonders der Armen, der Kinder und der Handwerksburschen nahm er sich an und eroberte das Herz des Volkes. 60 bis 70 Handwerksburschen rufen täglich den Bruder Pförtner heraus. Er empfängt sie alle mit derselben Freundlichkeit und Liebe. Nicht alle sehen vertrauenerweckend aus. Viele verlangen anmaßend, was sie als Almosen erbitten sollten. Andere lassen in ihrer Bitte Spott über Geistliche und Klöster mitklingen. Konrad bewahrt allen gegenüber unerschütterliche Ruhe und spricht kein abfälliges Wort. Er läuft über den kalten Gang in die Küche und holt das letzte. Oft schenkt er den Brüdern von der Landstraße sein eigenes Abendessen. Nicht immer erntet er dafür Dank. Eines Tages wirft ihm ein Bettler die Schüssel samt der Suppe vor die Füße und fährt ihn in seiner rohen Art an: „Das kannst du selber fressen!“ Konrad hebt die Scherben auf und sagt in aller Sanftheit: „Gelt, du magst sie nicht, ich hole dir eine andere.“ In Geduld erträgt er die Schwächen seiner Mitmenschen und hilft ihnen in allem liebreich. Diese seine Geduld zieht die rauen Menschen an. Ein Blick aus seinem gütigen Auge wirkt mehr als eine Predigt.

Konrads Lieblinge sind die Kinder. Jeden Tag kommen sie an die Pforte, um Brot zu holen, und Bruder Konrad nimmt sich ihrer mit besonderer Zuneigung an. Zuerst müssen sie ihre Hände zum Gebet falten und dem Geber alles Guten danken; erst dann händigte er ihnen die Gaben aus. Die Eltern haben den Kindern eingeschärft: „Kinder, seid brav und beleidigt den Bruder Konrad nicht; denn er ist ein Heiliger.“ Ob er wirklich ein Heiliger ist? Die Kinder wollen es ausprobieren. Sie ziehen immer wieder an der Schelle der Klosterpforte, laufen weg und lugen um die Ecke, ob Bruder Konrad nicht zornig wird. Nein, er bleibt immer gleich ruhig und freundlich. Sie schellen und fragen oft und oft, ob der oder jener Pater zu Hause ist; dabei wissen sie ganz genau, dass der genannte Pater nicht im Hause ist. Bruder Konrad wird nicht aufgeregt und zornig. Er antwortet immer gleich freundlich: „Den Pater kannst du nicht sprechen; er ist heute nicht daheim.“ 41 Jahre lang versah Konrad den Dienst des Pförtners des St.-Anna-Klosters in Altötting. Hier bewies er seine Dienstbereitschaft und seine aufopfernde Liebe für Wallfahrer, Wanderer und Arme. Der Diener Gottes machte sich zugleich zum Diener der Menschen, der Mitbrüder, des armen Volkes. Er wurde ein Apostel der Nächstenliebe.

Jeden freien Augenblick zog es ihn in die Alexiuszelle, einen engen dunklen Raum unter der Klosterstiege mit einem Durchblick zum Tabernakel. Wenn es am Abend an der Pforte ruhig geworden war, verbrachte er hier noch viele Stunden bis in die tiefe Nacht. In den ersten dreißig Ordensjahren beschränkte er den Schlaf auf ein Minimum von zwei bis drei Stunden. Von diesen Stunden gestand er einmal, sie „enteilten ihm im Lieben und Leiden, im Staunen und Anbeten und Bewundern der namenlosen Liebe Gottes zu uns armen Geschöpfen, und dabei komme er an kein Ende“. Wie kam es, dass Bruder Konrad soviel erbarmende Liebe spendete? Er lebte aus dem Glauben. Er sah in jedem Menschen den Bruder und die Schwester Christi. Vor keinem machte seine Liebe halt. Er vereinigte in seltener Weise äußere Tätigkeit mit Gottinnigkeit. Der Pförtner des Klosters steht mit dem einen Fuß in der Welt und mit dem anderen im Kloster. Er hat das schwerste Amt aller Klosterbrüder. Konrad ging am 21. April 1894 in die Herrlichkeit des Herrn, dem er sein ganzes Leben über in selbstloser Aufopferung gedient hatte. Sein Grab befindet sich in der Altöttinger Kapuzinerkirche. Schon zu seinen Lebzeiten waren zahlreiche Christen überzeugt: Bruder Konrad ist ein Heiliger. Und er war es wirklich. Der ist ein Heiliger, der in der Gnade Gottes lebt, Gott und die Menschen herzlich liebt und sich ehrlich bemüht, den Posten, auf den Gott ihn gestellt hat, ganz auszufüllen. Die Kirche hat ihn mit ihren Mitteln erhoben. Konrad wurde am 15.6.1930 selig-, am 20.5.1934 heiliggesprochen. Sein Festtag ist der 21. April. Durch Wunder verherrlicht, wird er als Helfer in jeglicher Not angerufen.

Amen.

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