10. Mai 2026
Ewiges Leben
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Geliebte im Herrn!
Ein großes Rätsel ist das Leben des Menschen von Anbeginn, ein Rätsel nicht minder sein Tod. Rätsel können oft nur schwer gelöst werden. Man ist gespannt auf die Auflösung. In Zeitschriften heißt es gewöhnlich: „Auflösung in der nächsten Nummer“. Die Auflösung des Rätsels über den Menschen aber finden wir nicht in dieser Welt, sondern in der jenseitigen. „Ja, wenn es eine gibt!“ Sagt der Unglaube. O Unglaube! Wie bist du so grausam und trostlos. Du stehst am Grabe oder vor der Urne und sprichst: Nun ist es aus! Für immer. Auf Nimmerwiedersehen! Gewiss, die Toten schweigen. Ist aber darum schon bewiesen, dass es kein Jenseits, kein Fortleben nach dem Tode gibt? Ist es nicht klüger, durch einen reinen Lebenswandel sich auf den Himmel vorzubereiten, weil es einen Himmel geben kann, um einem Übel, wie es die ewige Hölle ist, vorzubeugen, als schlechthin sich nicht darum zu kümmern, obgleich es über den Menschen kommen kann? „Armer Christ, sprach frech ein Atheist, wie doch du betrogen bist, wenn der Himmel eine Fabel ist. Armer Atheist, sprach voller Ernst der Christ, wie doch du betrogen bist, wenn die Hölle keine Fabel ist.“ Doch haben wir Beweise, dass es ein Jenseits gibt. Haupteinwand gegen das Fortleben nach dem Tode: Es ist noch niemand herübergekommen! Ist das wahr? Hören wir im Folgenden einen von einem Zeugen garantierten Fall, berichtet von dem Heiligen Johannes Bosco aus dem Jahre 1839. Ihm und gleichzeitig 20 Schülern des Priesterseminars erschien in der Nacht vom 3. auf den 4. April 1839 sein kurz vorher verstorbener Freund Comollo unter furchtbarem Getöse und sprach, lichtumstrahlt, dreimal hintereinander die Worte: „Bosco! Bosco! Bosco! Ich bin gerettet!“ Johannes Bosco war mit den anderen vom Lärm und Licht erschreckten Studenten so erschüttert, dass er 1884 für eine Biographie dieses verstorbenen Freundes schrieb: „Es war das erste Mal, soweit ich mich erinnern kann, dass ich mich fürchtete. Ich fiel in eine Krankheit, die mich an den Rand des Grabes brachte und meine Gesundheit derart schwächte, dass sie erst nach vielen Jahren ihre frühere Stärke wieder erreichte. Gott ist allmächtig und barmherzig. Wir haben hinreichende Gewissheit über die Existenz der Seele, ohne dass wir Beweise zu suchen brauchen. Darum soll uns genügen, was unser Herr und Heiland Jesus Christus geoffenbart hat.“ Eigentlich ist jede Selig- und Heiligsprechung ein Beweis für die Unsterblichkeit. Denn jedes einwandfreie Wunder, das durch den betreffenden Diener oder die betreffende Dienerin Gottes als Voraussetzung der Selig- und Heiligsprechung gewirkt wird, ist ein Beweis für deren Fortleben im Jenseits. Als Beweis für die Existenz der unsterblichen Seele genügt Jesus Christus. Er kam als Sohn Gottes von drüben herüber. Wenn wir ihm nicht glauben, dann glauben nach Christi Worten die Leute auch dann nicht, wenn vor ihnen einer von den Toten aufersteht.
Die Lehre von der Seelenwanderung behauptet, die Seele des Menschen werde nach dem Tod wiederholt in menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Formen verkörpert, um dadurch die Verfehlungen des vorherigen Lebens abzubüßen. Ist ihr zweiter Leib gestorben, so erwählt sie sich wieder einen neuen. Solange, bis sie endlich vollkommen geworden ist und so den Lohn erhält, indem sie sich im großen Weltgeist auflöst. Für diese nebelhafte Lehre kann man keinen einzigen Beweisgrund anführen. Sie widerspricht geradewegs dem Christentum und ebenso der Vernunft. Der Haupteinwand gegen die angebliche Wiedergeburt ist die fehlende Erinnerung an ein früheres Leben. Diese Erinnerung müsste zudem lückenlos aufsteigen, weil das die Personengleichheit voraussetzt. Das Leben ist unwiederholbar. „Eines Schatten Flug ist unser Leben. Es gibt keine Wiederholung unseres Endes, weil es besiegelt ist und niemand mehr wiederkehrt“ (Sap 2,5). Im Hebräerbrief 9,27 heißt es: „Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, und danach folgt das Gericht.“ Das biblische Gleichnis von dem reichen Prasser und dem armen Lazarus lehrt uns: Die Gerechtigkeit vollzieht sich sofort nach dem Tode. Der arme Lazarus wurde sofort von den Engeln in Abrahams Schoß getragen, der reiche Prasser wurde sofort in der Hölle begraben. Gregor der Große schreibt in seinen Dialogen (593): „So wie jeder von uns aus der Welt hinausgeht, so kommt er vor das Gericht.“
Der moderne Unglaube bemüht sich, für die geleugnete persönliche Unsterblichkeit einen Ersatz zu bieten. Man spricht von einem Fortleben in der Nachwelt. Jedes gute Werk, jedes gute Wort, jedes gute Beispiel, so sagt man, pflanze sich fort und sterbe nicht mit uns. Unsere guten Worte, Werke und Beispiele seien unsere Unsterblichkeit. Was hier fortlebt, ist aber nicht das Ich des Menschen, sondern vielleicht sein Werk oder sein Name. Solches „Fortleben“ bedeutet für ihn persönlich nichts, da er keine Kenntnis davon hat. Der Name der meisten Menschen ist schneller vergessen, als man glaubt, seine Spur ist schnell verweht. Von einem ewigen Fortleben kann hier nicht gesprochen werden. Der Materialismus leugnet die persönliche Unsterblichkeit. Dennoch verspricht er ewige Dauer, das Fortleben in den Atomen. Der Tod löse nur ihren Zusammenhang, um sie neuen Verbindungen und neuem Leben entgegenzuführen. Der materialistische Trost klingt wie ein grober Scherz. Was aus den Atomen des Leibes wird, berührt uns wenig. Unser seelisches Ich seufzt nach der Ewigkeit. Tieferen Bedürfnissen scheint der Pantheismus zu genügen. Er verspricht der Seele die Ewigkeit. Auf ein persönliches Fortleben dürfe sie zwar nicht rechnen, aber ihr Wesen bleibe erhalten durch Auflösung der Seele im Alleben des Absoluten. Doch dieser pantheistische Trost hält nicht stand, da durch die Auflösung im Allgöttlichen unser Bewusstsein zerstört wird. Die Natur triebe ein grausames Spiel mit dem Menschen, wenn er ziellos und sinnlos sich auflöste.
Der christliche Glaube an das ewige Leben umfasst ein doppeltes: 1. ein persönliches Weiterleben und 2. Dieses Fortleben besteht entweder in einem ewigen Leben bei Gott oder in der ewigen Qual der Verdammnis. Das persönliche Fortleben ist nur möglich, wenn Gott selbst ein persönliches Leben ist, d.h. ein Wesen, das frei denken und wollen kann und sich seines Daseins bewusst ist. Ein unpersönlicher Gott kann kein persönliches Leben schaffen; ein unpersönlicher Gott ist aber ebenso widersinnig wie ein unpersönlicher Uhrmacher. Was hätte übrigens die Menschwerdung Christi für einen Sinn, wenn mit dem Tod alles aus wäre, wenn es für den Guten keinen Himmel gibt und für den Schlechten keine Hölle? Indes: man leugnet ja das ewige Fortleben nur, damit man die ewige Verwerfung leugnen kann. Darum leugnet man beides und schließlich auch noch Gott selbst. Nein! Jeder Mensch führt hier ein persönliches Leben und ist dafür im Jenseits persönlich verantwortlich. „Gott wird einem jeden vergelten nach seinen Werken.“
Unverlierbarer und lebendiger Besitz wird das Wissen um ein ewiges persönliches Fortleben nach dem Tod erst durch das Zeugnis Christi, des persönlichen Sohnes des persönlichen Gottes. Seine Seligpreisungen in der Bergpredigt sind das Hohelied von der ewigen Heimat drüben (Mt 5,12). „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben. Selig sind, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden gesättigt werden. Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit finden. Selig sind, die lauteren Herzens sind, denn sie werden Gott anschauen. Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen. Selig sind, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen. Freut euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß im Himmel.“ Der reiche Jüngling fragt Jesus, was er tun müsse, um das ewige Leben zu gewinnen. Jesus antwortet: Halte die Gebote. Den Reichen kündigt Jesus an, dass es ihnen schwer werde, in das Reich Gottes einzugehen. Wer aber um Jesu willen alles verlässt, dem verheißt er in der kommenden Weltzeit ewiges Leben (Mk 10,30). „Wer Haus, Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker um meinet- und um der Frohbotschaft willen verlässt, wird hundertfältigen Lohn erhalten und in der kommenden Weltzeit: ewiges Leben“ (Mk 10,29-31). In seiner Belehrung über das Ärgernis gibt Jesus zu verstehen, dass man eher ein Glied oder ein Auge preisgeben müsse, um es zu vermeiden, und dass es besser sei, verstümmelt oder einäugig in das Leben einzugehen, als mit zwei Händen und Füßen und mit zwei Augen in die Feuerhölle geworfen zu werden (Mt 18,7-14). „Wenn dir deine Hand Anlass zur Sünde wird, hau sie ab; es ist besser verstümmelt in das Leben einzugehen, als mit beiden Händen in die Hölle zu kommen. Wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, reiß es aus; es ist besser, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als mit beiden Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Mk 9, 43-49). Christus hat die Brücke geschlagen zu dem Land der Unsterblichkeit. Die Herrlichkeit des Himmels ist unfassbar groß und beseligend. Das können wir aus der Analogie erkennen. Gottes Werke künden von seiner erhabenen Größe. Die Schönheit und Majestät des Sternenhimmels, die Tiefe der Menschenseele, kurz: die uns zugängigen Werke des Schöpfers lassen uns etwas ahnen von seiner Herrlichkeit. Die Seligen schauen immerfort das Angesicht Gottes. Sie erkennen klar seine Unermesslichkeit und alle seine Vollkommenheiten. Was kein Auge gesehen, was kein Ohr gehört, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.
Amen.